Donnerstag, 11. April 2013
Gedicht
Gedicht

Ich gehe durch leere Straßen. Hier war es mal Urban. Man saß an Eckläden und schaute den anderen beim Leben zu. Unterhaltungen zwischen Jung und Alt. Szenen der Hingabe, wie ein gutes Tageslicht das sich nicht in die Nacht wagt. Die Fenster der Häuser waren geöffnet, es roch nach Fleisch und Knoblauch, nach Pita und Cevapi.
Heute ist das alles Tod. Ein Tod der einem ohne Kleidung ins Gesicht springt. Brutal und kaputt. Diese Straßen sind zerschnittene Adern. Die Fenster sind vernagelt. Die Eckläden sind zugemauert. Hier hingen Menschen aus Fenstern, wie Puppen ohne Sinn. Hier schoss man sich in Stücke und jagte was laufen konnte.
Mutter und Vater haben es nicht geschafft. Sind im Haus verbrannt.
Mein Großvater wurde mir zu Mutter und Vater. Wir Zwei wurden einsame die in einer sterbenden Veranda in Bosnien Platz nahmen. Das Haus mit den blauen Türen. Der Ort der sich in meinen Kopf nistete, er lässt mich nicht mehr los, er macht mich traurig, er macht mich wütend und jetzt da ich an deinem Grab stehe Großvater macht er mich leise.
Ich und der Tag, das ist Krieg mit schweren Waffen. Ich höre Lieder. Beschwingte Lieder! Das Leben ist der Fluss, ein Geschwür aus Schmerz und paranoiden Gedanken, eine Zentrale die wuchert und mich zerstört. Das Leben ist ein Steinbruch, tief und voller dunkler Gefahren mit denen man nicht tanzen kann. Gutes Leben und schlechtes Leben. Alles wi Radio ohne Klang, alles wie Gedichte ohne Flügel. Ich stehe am Abgrund. Tanzen mit abgesägten Beinen.

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