Donnerstag, 14. Februar 2013
Ich denke an dich und deine Familie
Für die unschuldigen die in den Balkankriegen von irgendeiner Armee ermordet wurden.

Ich denke an dich und deine Familie

Wir kamen am Morgen. Die Stadt ergab sich uns. Ich sah die Angst in den Gesichtern der Kinder. Ich sah die kaputten Straßen und die Häuser die weinten weil man sie mit Granaten vergewaltig hatte. Alles war trotz der Anarchie geordnet. Die Anarchie war die Ordnung.
Alle Männer ab 16 mussten sich auf dem Marktplatz versammeln. Wir hingen unsere Fahne auf. Sie war das Licht, unser Antrieb zu töten, für fremde Erde zu töten. Wir sangen unsere Lieder und schossen dabei in die Luft. Die Kinder zuckten zusammen, der Knall war ein zu lauter Einschnitt in die natürliche Ruhe die über dem Marktplatz lag. Das war die Ruhe der Friedhöfe. Die Ruhe die in einem Sarg herrschte und die Gebeine eines Menschen der Erde anvertraute. Das war eine Art Ruhe wie sie in Wäldern lebte um Menschen zum verschlucken anzulocken.
Wir führten immer dreißig Männer in das Rathaus. Am Ende des Tages gab es dort kein Zimmer ohne Leichen. Es gab kein Zimmer in dem wir nicht waren. In einem Zimmer fiel mir ein Bild von Marschall Tito auf. Er saß auf seinem weißen Gaul und schoss in die Luft. Die Köpfe waren für eine Kugel weiche Gegner.
Ich führte meine Befehle aus. Ich war Soldat um zu gehorchen. Ich war kein Mensch, ich hatte kein Gehirn in meinem Schädel, ich funktionierte. Wir gegen die auf den Knien. Unsere Religion gegen die Religion der knienden. Musik dröhnte auf dem Marktplatz. Man fand Schweine die man für die Spieße bereit machte. Wir tauften Menschen um. Wir zwangen sie mit uns zu feiern und mit uns zu töten. Wir soffen und zogen durch die Häuser und suchten nach den Töchtern der Toten. Wir wollten unser Sigel in die Seelen der Lebenden brennen. Haus um Haus wurde verwüstet. Hier und da wurde geschossen. In einem Graben lagen zwei tote Kinder. Die Unschuld der Nacht machte sich über ihre Körper her. Ich funktionierte. Ich funktionierte und ich hatte nicht vor nicht zu funktionieren. Ich war ein guter Soldat. Ich kämpfte für die richtige Seite. Opfer gehörten zum Krieg. Das Töten ist die Aufgabe des Soldaten im Krieg. Man konnte niederbrennen soviel man wollte aber nur das Toten war der Schlüssel zum Sieg. Nur durch das Töten erschaffte man Tatsachen. Durch das Töten machte ich mich unsterblich. Gott führte meine Hand, denn ich war einer aus Gottes Volk. Irgendwann sah ich die Gesichter nicht mehr in die ich Schoss. Immer nur ein Schuss, manche quälten sich. Musik vom Marktplatz, Nebel glitt von den Hügeln herab in die Stadt der toten Seelen. Ich funktionierte. Bei Christus, ich funktionierte so wie noch nie ein Soldat funktionierte. Mein Lauf glühte. Ständig wechselte ich das Magazin, der Schweiß lief über mein Gesicht. Ich gegen den Rest. Morden war meine Aufgabe. Ich war der Beste. Auszeichnungen!

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