Freitag, 18. Januar 2013
Gewaltherrschaft
Gewaltherrschaft

Ich habe den Zahnlosen genau beobachtet als er sich selbst aus der Asche des Tempelbergs erschuf und sein Manifest mit seinen nackten Händen in die Berge meißelte. Ich habe genau hingesehen. Zwei Jahre ließ man ihn meißeln und in aller Welt verkündete man „Gott ist auferstanden“.
Jetzt sehe ich den Zahnlosen der Herr über Fluss und Berg ist. Er sitzt in seinem Palast der geistlosen Kreaturen und lässt sich von einem einbeinigen Mannweib den Bauch mit einer stinkenden Paste aus Minze einreiben. Man reicht ihm Wein und Zimt, denn er allein ist Herr über Weihnacht. Der Stern im Haus des Zahnlosen ist der Stern einer Illusion, seiner Illusion.
Bosnien du verreckst wie ein sich an seiner Nabelschnur aufhängender Säugling. Deine Tage sind gezählt. Während das Mannweib gewissenhaft seine Arbeit tut denkt der Zahnlose an einen Scheiterhaufen aus Seelen. Das Gedränge auf den Plätzen der Städte die dem Zahnlosen gehören schwappt in die dörflichen Teile deiner Ränder. Der Geist der Unvernunft wird aus den Flammensäulen toter Lämmer gewoben. Wie ein warmes Fell umgibt es dieses blinde Bosnien. Der Zahnlose ist der Derwisch der die Flammen unterwirft. Mit seinen Händen fängt er das Feuer ein und erklärt es zu seiner nichtweltlichen Kraftquelle.
Bosnien. ich denke, dass im Rhythmus deiner Flüsse mehr als der Schmerz der Vergangenheit wohnt. In deinen Gebirgen ist mehr verborgen als der Staub Toter Seelen. Aber wo willst du hin Bosnien? Ich betrachte die Trüffelschweine in deinen Parlamenten derer es zwei gibt. In diesen Parlamenten zelebrieren die Götzen ihre Trüffeltänze mit ihren Trüffelkindern. Es ist wieder wichtig ein Balg von Rang zu sein. Das Land wird wie der Euter einer Kuh gemolken. Der letzte Tropfen gehört immer dem Zahnlosen. Mit festem Befehl treiben die Götzen ihre Herde vor sich her. Sie überlassen nichts dem Zufall. Sie steinigen das Wertesystem. Pressen Gedanken in Korsette. Sie zertreten die Würdenträger der Vergangenheit und jagen die Menschen durch fruchtlose Gärten. Die Götzen sorgen für die Sorgen. Sie errichten die Grenzposten gegen die Vernunft. Sie sprechen und urteilen über das Leid und den Zustand einer enttäuschten Bevölkerung.
Die Welt ist stumm. Kein Aufbegehren, zelebrieren der Verschiedenheiten. Der Boden ist da.
Der Zahnlose ist der geistliche Herr dieser Unvernunft. In beiden Parlamenten thront er vier Meter über den sprechenden Abgeordneten und saugt an der Zitze einer abgemagerten Ziege. Ein kleiner Junge muss ihm unterdessen den königlichen Ring an seinem angeschwollenen Zeigefinger polieren. Wie eine zu große Pflaume hängt das unangenehm schwere Sigel der Macht an seinem Zeigefinger. Hinter ihm steht eine junge Mätresse die seine Aknebefallene Visage mit einer Lavendelcreme versorgt.
In Bosnien gibt es keine Opfer und Täter. Hier ist jeder alles und alles ist jeder.
Währendessen hat sich der Zahnlose erhoben um eine seiner Brandreden in beiden Parlamenten zu halten. Er spricht von ungeborenen Tragödien und von Gestalten die Druck ausüben. Von einer Pest die aus angreifenden Wölfen besteht die sich über alles hermachen. Der Schweiß läuft seine Aknevisage hinunter und wenn er sich mehrere Male vor der Audienz seiner Pest übergibt stürmt ein Mongoloider Junge in beide Säle und reicht ihm frisch gepressten Orangensaft, damit er den herben Geschmack seiner Kotze herausspülen kann.
Die Reporter in den Parlamenten notieren sich fleißig jedes Wort das der Zahnlose spricht. Nicht einer von ihnen wird den Raum lebend verlassen. Am Schluss jeder Debatte folgt die hemmungslose Steinigung des lügnerischen Pressevolks. Das gesamte Parlament greift der Gewalt hungrig in die bereitgestellten Körbe, die mit weiß lackierten Steinen gefüllt sind, um sich der diebischen Schreiberlinge zu entledigen. Die blutenden Leiber der Schreiberlinge werden von nackten und gelb angestrichenen Sträflingen aus den Parlamenten geschafft. Der Zahnlose erhebt sich und geht euphorisch aus den Parlamenten. Während er nach draußen geht brüllt er.
„Bosnien ist ein geteiltes Land und ich bin der Herr in den Hälften dieses Schweinetrogs“.
Am Tag darauf zeigt er sich beim Empfang für die Botschafter. Die Hofnarren der Länder tummeln sich an den Kadavern gebratener Schweine und Rinder. Der Zahnlose marschiert ungestüm auf einer kleinen Empore hin und her. Vor allem die Hofnarren der sich in die Hosen pissenden Europäer trauen sich nicht ihn anzusehen. Man wird blind wenn man den Zahnlosen ansieht und wenn man ihm widerspricht verliert man seine Manneskraft und wird seinem sprechenden Wald zum fraß vorgeworfen. In diesem Wald sind die Augen Tausender verscharrt. Dort saugt er die bittere Milch der Heiligen Mutter Gottes aus ihren Eutern. Im Wald steht er wie der Heiland breitbeinig vor seinen Opfern und wirft ihre Köpfe in brennende Feuer. Seine Bestie herrscht sogar über die Tiere. Im Wald ist er der berüchtigte Fürst seiner Träume. Nur dort kann er seiner Herkunft entfliehen. Denn seine Mutter ist eine Hafenhure die ihn unter Schmerzen in die glühende Faust der Welt presste.
„Ach Heilige Mutter Gottes, ich bin erschöpft. Dieses Land und dieses Volk. Es kann nichts. Es weiß nichts. Bis ins tiefste Mark ist es abergläubisch“.
Der Zahnlose war heute Morgen im Fernsehen. Er wurde schmatzend bei seinem opulenten Frühstück von zwei seiner Knechte befragt. Der Zahnlose springt gekonnt durch seine Sätze. Hier und Da muss am Staat geschraubt werden aber im Großen und Ganzen steht alles auf recht guten Beinen.
Am Ende verkündet er den lauten Knall der in den fernsten Teilen der Galaxie zu hören ist. Der Zahnlose wird Vater. Seine achte Frau hat die Frucht seiner fleißigen Stöße aufgesogen und ist nun dabei ein Kind zu modellieren. Ein Prachtkerl soll der Junge werden, denn für den Zahnlosen kommt nur ein Junge in Frage.
Noch am selben Tag lässt er alle Straßen im Land schmücken und alle öffentlichen Häuser werden mit einem Bild von ihm verziert. Vor jedem Geschäft wird ein roter Teppich auf unbestimmte Zeit ausgerollt weil er ankündigt, dass er mit seiner achten Frau die sorgsamen Einkäufe für den Kleinen Prinzen gemeinsam erledigen will. Nach Stunden taucht er in verschiedenen Städten zur selben Zeit auf und erledigt seine Einkäufe. Am Mittag pressen sich Wesire, Popen und Bischöfe in die kleine Orangerie des Zahnlosen. Ein einarmiger Sekretär reicht den Herrschaften Kaffee und Gebäck. Die Geistlichen dürfen nicht sprechen, sie müssen aufmerksam zuhören, alles abnicken und den ungeborenen schon im Voraus heilig sprechen. Zum Abschied muss jeder von ihnen den königlichen Ring des Zahnlosen küssen.
„Religion ist ein feiges Opfer und jetzt schert euch zum Teufel ihr Hurensöhne“!
Am Abend liegt der Zahnlose Weintrauben fressend auf dem Rücken und erzählt vom Krieg.
„Das gute am Krieg ist das er durch seine Wut Denkmäler erschafft. Krieg macht Menschen zu Vergangenheit. Nur der Krieg kann etwas Ewiges erschaffen. Er hat seine eigene Melodie. Ohne ihn stirbt alles aus“.
Nach seiner großen Prostata Operation in einem unbekannten Dschungelstaat Afrikas kommt er stärker als jemals zuvor nach Bosnien zurück und lässt alle Gotteshäuser des Staates sprengen. Er erbaut eigenhändig fünf Monumente für seine Säulen des Glaubens. Er denkt sich ein alles zermalmendes Wertesystem aus. Auf neunzehtausend Seiten beschreibt er seine Wut und die Qual seiner überfälligen Entscheidungen.
Nach dem erfolgreichen überfall auf die Freiheit läuft sein Staat Amok. Menschen werden in Tunnel gemauert. Kinder verschwinden in ewig geschlossenen Heimen. Jeder Greis der nicht in der Lage ist sich zu ernähren wird an die Wand gestellt. Zwölf seiner engsten Sekretäre lässt der Zahnlose von Traktoren in Stücke reißen. Politische Gegner werden wie Hunde von ihm herumgeführt und im Ausland bei Diplomatischen Treffen vor den Augen der Demokratie per Kopfschuss erschossen. Er ist jedes Mal der schießende. Der Lauf seines goldenen Revolvers ist ein Massengrab.
Der Zahnlose nennt seine Ideologie Turboinfarkt. Der Turboinfarkt sorgt für das Gleichgewicht des Wohlstandes. Wer nichts produziert wird zu Freiwild und darf geschossen werden. Auf dem Marktplatz von Banja Luka werden alle Ungläubigen gehängt und auf dem Marktplatz von Sarajevo werden die Aufwiegler gevierteilt. Er lässt ganze Familien in einem Waldstück Bosniens hinrichten. Endlich ist der Krieg wieder da.
Tagelang beknien ihn die Weltmächte. Flehen ihn wie weinende Würmer an sie anzuhören und als er es ihnen gewährt sagt er nur läppisch und mit seinem breiten Grinsen.
„Nur über meine Leiche. Ein Sattelfester Despot fürchtet sich vor niemandem“.
Der Turboinfarkt des Zahnlosen erbaut innerhalb von einer Woche eine Autobahn und vier Zuglinien um die Leichen ans Meer zu schaffen. In der kroatischen Adria bilden sich Blutteppiche von grauenhaftem Ausmaß.
Die slowenischen Alpen färbt er mit Blut. Den Triglav sprengt er eigenhändig.
Die goldenen Weizenfelder der Vojvodina werden abgebrannt und mit gepfählten Menschen bepflanzt.
Im Norden Mazedoniens benennt er jede Stadt nach sich. Der Süden wird ausgebombt und den Griechen überlassen.
Zagreb und Belgrad verschwinden gänzlich von der Karte.
Das Kosovo wird mit Flüssen durchzogen, er will die Erdschätze förmlich aus dem Boden herausspülen. Letztendlich lässt er in allen Tälern Bosniens Taufbecken aus Säure anlegen. Alle Kinder die geboren werden müssen durch dieses Säurebad laufen. Um den Eltern der Kinder zu beweisen dass die Säure harmlos ist geht er selbst hindurch und brüllt sie danach an.
„Ihr Hundepack, seht mich an. Von der Säure geküsst bin ich nun und lebe trotzdem wie ein Falter im Licht des Tages“.
Der Sonne untersagt er ihre wärmenden Strahlen und dem Mond das nächtliche leuchten. Nur noch einmal im Jahr darf Regen fallen. Alle Tiere die keiner ausdrücklichen Funktion dienlich sind werden geschossen und auf großen Scheiterhaufen feierlich verbrannt. Lediglich Dreitausend Hirsche hält er sich in einem geheimen Gehege aus Glas. Wenn er der Gewalt müde ist geht er durch die Reihen der sich vor ihm verneigenden Hirsche. Nur unter den Hirschen hat er Freunde denen er vertraut.
Er lässt Italien ab Venedig wegreißen damit seine Bürger sehen wie groß seine Sicht auf die Dinge ist. Er ordnet die Begradigung der Donau an damit er in Ruhe darauf spazieren kann. Die Save wird trockengelegt, umzäunt und zur Verbannungswüste für Politische Gegner. Die Drina erklärt er zum heiligen Fluss der Seelen. Alle Orte die sich an der Drina befinden werden dem Erdboden gleich gemacht. Nur ihm ist der Blick auf die Drina gestattet. In ihrem ruhigen Fluss erkennt er die Ahnen seiner goldenen Linie.
„Ach Mutter Gottes, ich stehe im Licht. Im Kegel der Zeitlosigkeit“.
Der Zahnlose isst wieder Trauben. Der Saft der Früchte läuft aus seinem Mund. Mehrere Günstlinge kriechen auf dem Boden herum und lassen sich von ihm Füttern. Wenn einer laut schmatzt greift er zu seinem goldenen Revolver und exekutiert.
Heute ist Auslandspressetag: Im Viertausendzimmer Palast des Zahnlosen drängen sich die Journalisten aus allen Ländern der Welt und hören dem Zahnlosen zu.
„Ihr Bastarde. Scheißt euch in die Hosen, ihr Hunde. Heute Abend werde ich den großen Überfall auf die Welt anzetteln“.
Der Zahnlose zieht seinen goldenen Säbel und schlägt seiner achten Frau den Kopf ab.
„Ich bin überzeugt, dass ihr nicht überzeugt seid. Glaubt mir, die Welt wird mich im Gedächtnis behalten. Ich werde nicht in Vergessenheit geraten. Gottes Sohn ist kein Mythos. Ich bin ein Licht in der Dunkelheit“.
Die Aufklärung die der Zahnlose in Wallung bringt vereint die Menschen zu einer Kreatur der Ewigkeit. Er bündelt alle Kräfte seines Schattenreichs hinter sich. An der Spitze seines Heeres läuft er mit seinem mittlerweile sechsjährigen Sohn. Dahinter stürmt eine verschmolzene Masse von Menschen hinter ihnen her.
Ist das ein Leben das uns angeht. Ist das ein wirkliches Land. Uns geht schon lange nichts mehr an. Wir funktionieren, Tag für Tag. Jeder Schritt bewegt Angst. Jedes Wort beflügelt Abspaltung. Menschen sind Gestalten aus Porzellan, abwartend und drastisch.

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