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Montag, 13. Mai 2013
Schwarm
srdan majstorovic, 12:34h
Schwarm
Und ein Fluss, wie ein Gesicht, die Augen meiner Mutter, lebend und auf dem Weg zu einem ungewissen Ort. Harmloses Gespräch in der Küche, starker Kaffee. Meine Mutter spricht über ihr Leiden, über das Hämmern in ihrem Kopf, über die Schmerzen in den Beinen, über das lahmen in ihrem Leben. Mehr Kaffee, ein Augenblick Stille, ein Augenblick Jungfreulichkeit zwischen der Ernsthaftigkeit und der Angst.
Das Meer, noch einmal das Meer sehen oder Paris mit Augen erobern. Einfach eintauchen und nochmal unbeschwert durch Paris gleiten. Ein Blick auf den Fluss, auf das breite Wesen das Paris zu einer Metropole der Gegensätze macht. Meine Mutter und ich, in einem Cafe, Essen und Trinken, Gespräche, Worte von Glanz und Worte der Trauer. Kein zurück aus der Stadt, kein zurück in das Alte. Ein Licht steigt auf und gibt sich dem Mond hin.
Und ein Fluss, wie ein Gesicht, die Augen meiner Mutter, lebend und auf dem Weg zu einem ungewissen Ort. Harmloses Gespräch in der Küche, starker Kaffee. Meine Mutter spricht über ihr Leiden, über das Hämmern in ihrem Kopf, über die Schmerzen in den Beinen, über das lahmen in ihrem Leben. Mehr Kaffee, ein Augenblick Stille, ein Augenblick Jungfreulichkeit zwischen der Ernsthaftigkeit und der Angst.
Das Meer, noch einmal das Meer sehen oder Paris mit Augen erobern. Einfach eintauchen und nochmal unbeschwert durch Paris gleiten. Ein Blick auf den Fluss, auf das breite Wesen das Paris zu einer Metropole der Gegensätze macht. Meine Mutter und ich, in einem Cafe, Essen und Trinken, Gespräche, Worte von Glanz und Worte der Trauer. Kein zurück aus der Stadt, kein zurück in das Alte. Ein Licht steigt auf und gibt sich dem Mond hin.
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Dienstag, 23. April 2013
August
srdan majstorovic, 11:43h
August
Die Sonne fällt über uns her. Eine deutliche Ansage die Träume hinter sich zu lassen. Seit vier Monaten bin ich an der Front und sehe wie Männer enden. Ich sehe das schwindende Licht, immer ein letztes Flackern, ein kurzer Gedanke der durch die Seele huscht und dann ist das Leben aus. Die Granaten trommeln ihren Beat. Panzer die über Körper rollen. Die Bäume fressen und alles zu einem neuen Wesen machen. Die Frontlinie bewegt sich kaum. Mal ein Meter vor, mal ein Meter zurück. Unser Offizier ist kein heißer Krieger, wir machen das Nötigste. Schießen nicht auf alles, warten aber auf alles. Wir essen wenn unser Offizier isst, wir reden wenn unser Offizier redet, wir denken wenn unser Offizier denkt und zwar immer das was er denkt.
Selten Briefe von Zuhause falls es das überhaupt noch gibt. Der Hof ist in Schuss. Meine Tochter ist zur Welt gekommen, ich kenne sie nicht und werde sie vielleicht niemals kennen. Mein Vater ist gestorben, ihn kannte ich. Der Krieg unterbricht alles. Er vergewaltig alles was mit gutem Leben zu tun hat. Der Krieg ist ein ekelhafter Brei aus verklebten Lebenslinien die nur im Krieg zu einander finden.
Nicht alle kommen wieder nach Hause. Viele bleiben hier und verschimmeln in der Erde die voller Blut ist. Auf Fotos leben sie weiter aber für wie lange?
Die Sonne fällt über uns her. Eine deutliche Ansage die Träume hinter sich zu lassen. Seit vier Monaten bin ich an der Front und sehe wie Männer enden. Ich sehe das schwindende Licht, immer ein letztes Flackern, ein kurzer Gedanke der durch die Seele huscht und dann ist das Leben aus. Die Granaten trommeln ihren Beat. Panzer die über Körper rollen. Die Bäume fressen und alles zu einem neuen Wesen machen. Die Frontlinie bewegt sich kaum. Mal ein Meter vor, mal ein Meter zurück. Unser Offizier ist kein heißer Krieger, wir machen das Nötigste. Schießen nicht auf alles, warten aber auf alles. Wir essen wenn unser Offizier isst, wir reden wenn unser Offizier redet, wir denken wenn unser Offizier denkt und zwar immer das was er denkt.
Selten Briefe von Zuhause falls es das überhaupt noch gibt. Der Hof ist in Schuss. Meine Tochter ist zur Welt gekommen, ich kenne sie nicht und werde sie vielleicht niemals kennen. Mein Vater ist gestorben, ihn kannte ich. Der Krieg unterbricht alles. Er vergewaltig alles was mit gutem Leben zu tun hat. Der Krieg ist ein ekelhafter Brei aus verklebten Lebenslinien die nur im Krieg zu einander finden.
Nicht alle kommen wieder nach Hause. Viele bleiben hier und verschimmeln in der Erde die voller Blut ist. Auf Fotos leben sie weiter aber für wie lange?
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Freitag, 19. April 2013
Život je More/Leben ist Meer
srdan majstorovic, 10:27h
Život je More/Leben ist Meer
Ich denke an Großvater. Ich denke daran das er jetzt ans Bett gefesselt ist. Eine Körperhälfte ist taub. Meine Großmutter wacht an seinem Bett. Ich sehe das schwarze Kopftuch auf ihrem Kopf. Früher trug sie bunte, jetzt ist alles schwarz. Ich sehe das Meer an das mich Großvater führte, die blaue Adria die jetzt nicht mehr zu uns gehört, sie ist in anderen Ländern, in fremden Ländern. Ich sehe Großvater und mich in den Wäldern, wir beobachten Wölfe.
In Großvaters Kopf ist noch Licht. In seinem Kopf ist noch Leben. Er ist da aber nicht in der Lage alleine aufs Klo zu gehen. Man trägt ihn dort hin, hält seinen schlaffen Körper aufrecht. Ein Mensch der Alt wird ist schlimmer als ein Säugling. Ein Alter Mensch zeigt uns den Weg, zeigt uns unser Dasein auf, zeigt uns die Straße die irgendwann einen Bruch bekommen kann und dann irgendwann sterben und vergessen.
Ich denke an Großvater und wie er mir erklärte wie man ein Gewähr schnitzt. Wie man den Kolben rund bekam, wie man einen Lauf aus Holz entstehen ließ. Immer wieder ich und das Gewähr auf der Jagd nach den Banditen aus die Gloreichen Sieben.
Und dann Großvater auf seinem weißen Pferd und wir zwei in der bosnischen Einöde die zum Wilden Westen wurde.
Ich denke an Großvater. Ich denke daran das er jetzt ans Bett gefesselt ist. Eine Körperhälfte ist taub. Meine Großmutter wacht an seinem Bett. Ich sehe das schwarze Kopftuch auf ihrem Kopf. Früher trug sie bunte, jetzt ist alles schwarz. Ich sehe das Meer an das mich Großvater führte, die blaue Adria die jetzt nicht mehr zu uns gehört, sie ist in anderen Ländern, in fremden Ländern. Ich sehe Großvater und mich in den Wäldern, wir beobachten Wölfe.
In Großvaters Kopf ist noch Licht. In seinem Kopf ist noch Leben. Er ist da aber nicht in der Lage alleine aufs Klo zu gehen. Man trägt ihn dort hin, hält seinen schlaffen Körper aufrecht. Ein Mensch der Alt wird ist schlimmer als ein Säugling. Ein Alter Mensch zeigt uns den Weg, zeigt uns unser Dasein auf, zeigt uns die Straße die irgendwann einen Bruch bekommen kann und dann irgendwann sterben und vergessen.
Ich denke an Großvater und wie er mir erklärte wie man ein Gewähr schnitzt. Wie man den Kolben rund bekam, wie man einen Lauf aus Holz entstehen ließ. Immer wieder ich und das Gewähr auf der Jagd nach den Banditen aus die Gloreichen Sieben.
Und dann Großvater auf seinem weißen Pferd und wir zwei in der bosnischen Einöde die zum Wilden Westen wurde.
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