Montag, 27. Mai 2013
Wunden
Wunden

Und hier stehe ich jetzt auf diesen Beinen die man mir brach, die man mir in den Kopf rammte um mir zu zeigen das ich einer von schlechtem Wert bin, ein Bauer ohne Glanz, ein Tier im dunklen Gehölz, ein Spross von niederigem wuchs. Und dann schleuderten sie mein Herz gegen eine Wand, gegen ein Fenster, in ein Loch ohne Licht, mit Tauben und blutenden Katzen, dort unten im Kopf einer Katze vergrub man mein Licht. Und dann sagten sie mir "jetzt bist du frei, geh und bau deinen Weizen an, geh und seh dir deine Frau an die einen anderen liebt, schau dir dein Kind an das deine Stimme vergessen hat, geh, geh in dein Dorf und stell dich deinem Spiegel". Und ich, ich ging und wurde zu einem Nichts, noch mehr Nichts als in der Zelle in der man mich zum Krüppel liebte.

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Freitag, 24. Mai 2013
Ein Bild
Ein Bild

Ich sehe diesen Mann jeden Tag. Er sitzt immer auf der gleichen Parkbank, unter einer toten Trauerweide. Er hält eine Zeitung in der Hand, seine Augen sind farblos. Auf der Alten Stirn bilden sich Hautwellen, Meere in denen seine Gedanken schwimmen. Er der Hundert Tage in einem Keller hauste als man ihm die Kindheit nahm. Er, nach dem die wütenden Flammen seiner Mutter griffen. Die Kehle war so trocken und fast schon zum brechen bereit, ein Licht wurde hinabgeworfen, zwei Amerikaner die ihn fanden. Einer aus Ohio und einer aus Texas, zwei Männer die er nie wieder gesehen hat. Eine Verbindung für Tausend Jahre sollte es sein, eine Verbindung der Menschlichkeit.
Und jetzt immer nur sitzen unter der toten Trauerweide. Immer nur lesen und lesen, einen Scheißdreck will er noch, nur in die Erde hinab, dort wo er sich versteckte und seine Geburt zweimal erlebte.

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Donnerstag, 23. Mai 2013
Über Meere
Über Meere

Ich laufe an einer Kante, an einer harten Kante die sich in meinem Kopf befindet. Ein Wunder ist das nie gewesen. Es ist ein Weg der Brüche, ein Weg des kaputtseins, ein Weg durch die toten Felder Bosniens.

Ich sehe die Häuser, zerstört und menschenleer. Die Wände, stille Zeugen einer Zeit die meine Seele angegriffen hat, eine Zeit die mich fast zerstört hat. Das Land gibt es nicht mehr, es wurde getötet, getötet von der Kultur des anderseins. Religion, ein Marschbefehl ins Unheil.

All die sinnlosen Wunden, all die Irrenhäuser die jetzt voll sind weil die Menschen nicht mehr begreifen können was sie erlebt haben. All die Ärzte die ohne Hoffnung sind zu heilen.

Vergessen kannst du nur wenn du in der Erde liegst, dort wo deine Schwestern und Brüder ihre traurigen Lieder singen.

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